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Tinnitus Ursachen & Symptome

Fast jeder von uns kennt das. Plötzlich pfeift, summt, brummt oder zischt es im Ohr. Wenn nach ein paar Sekunden oder Minuten das Geräusch wieder verschwindet, ist das normal und nicht besorgniserregend. Wenn das Ohrgeräusch aber immer wieder kommt, oder anhaltend bleibt, dann wird es unangenehm, und dann spricht man von einem Tinnitus. Aber was genau ist ein Tinnitus?

Tinnitus, Ursachen und Symptome: Ihr Hörakustiker GRONDE erkärts

Tinnitus - was ist das eigentlich?

Der Begriff Tinnitus kommt von lateinisch tinnire – klingeln, schellen. Betroffene hören ein Pfeifen, Rauschen, Summen, Klingeln oder Knacken im Ohr. Man übersetzt Tinnitus zwar mit Ohrgeräusch, weil wir alle Geräusche eben mit unseren Ohren verbinden, aber tatsächlich entsteht der Tinnitus nicht im Ohr. Es handelt sich vielmehr um eine veränderte Wahrnehmung in zentralen Bereichen des Gehirns, z.B. in der zentralen Hörbahn oder im Mittelhirn, wo Geräusche emotional bewertet werden und wo die Aufmerksamkeitssteuerung sitzt. Ein Tinnitus hört nicht auf, wenn man den Hörnerv unmittelbar nach seinem Austritt aus dem Innenohr unterbricht. Also kann der Tinnitus eigentlich nicht aus dem Ohr kommen.

Tatsächlich sind die Ursachen eines subjektiven Tinnitus (s.u.) noch nicht vollständig geklärt. Fachleute vermuten, dass geschädigte Haarzellen (die Sinneszellen im Innenohr) oder fehlgeschaltete Nervenbahnen falsche Signale an das Hirn weitergeben. Vielleicht liegen die Tinnitus Ursachen aber auch direkt im Hörzentrum, so dass die vom Hörnerv übermittelten Informationen zwar richtig ankommen, aber falsch verarbeitet werden. Man geht außerdem in den meisten Fällen auch von einer mangelnden Durchblutung des Innenohrs aus.

Ein Tinnitus kann sich prinzipiell in jedem Alter entwickeln. Allerdings tritt er bei Menschen über 40 Jahre der Tinnitus häufiger auf als bei Jüngeren. Noch! Denn aufgrund von lärmintensiven Freizeitbeschäftigungen und Dauerbeschallung junger Ohren über Kopfhörer steigt auch hier der Anteil junger Patienten seit einigen Jahren. Die Deutsche Tinnitus-Liga meldet ca. 3 Millionen Deutsche mit einem Tinnitus, der länger als 3 Monate besteht. Jährlich kommen circa 270.000 Neuerkrankungen hinzu. Der Anteil der Tinnitus-Patienten bei hochgradig schwerhörigen oder gehörlosen Menschen ist besonders hoch.

Tinnitus Ursachen

Auch wenn die Entstehung der Ohrgeräusche noch nicht ganz geklärt ist, lassen sich doch eindeutige Risikofaktoren, Auslöser oder mögliche Tinnitus Ursachen identifizieren:

  • Stress und psychische Probleme wie Konflikte in Partnerschaft oder Job, Angst, Überforderung. Etwa die Hälfte der Tinnitus-Patienten berichten von erheblichem Stress in Vergangenheit oder Gegenwart. Bei Stress wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, das auf den Blutdruck wirkt und die Durchblutung des Innenohrs senkt.
  • Angst-Erkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie ein zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, auch das verschlechtert die Durchblutung des auditiven Systems
  • Heftiger Lärm, Knall- oder Explosionstrauma, Verletzungen des Trommelfells. Vermutlich 30% aller subjektiven Tinnitusfälle lassen sich auf übermäßige Lärmbelastung zurückführen, ob Fußball-Stadion, laute Musik im Kopfhörer oder Maschinenlärm.
  • Hörsturz, also ein plötzlicher, meist einseitiger Verlust des Gehörs (Innenohrschwerhörigkeit), z.B. durch Stress, Knalltrauma oder Infektion verursacht
  • Ohrenschmalz-Pfropfen, oft durch Wattestäbchen
  • Erkrankungen/Entzündungen des Mittelohrs oder Innenohrs oder Otosklerose (Erkrankung der Mittelohr-Gehörknöchelchen), Trommelfelldefekte
  • Schwerhörigkeit / Altersschwerhörigkeit und alle Erkrankungen, die eine Schwerhörigkeit verursachen können
  • Gutartiger Tumor des Hörnervs (Akustikus-Neurinom, Selten!)
  • Morbus Menière, eine Erkrankung des Innenohrs mit Auswirkung auf den Gleichgewichtssinn, ein anfallartiger „Dreh-Schwindel“ oft begleitet von Schwerhörigkeit und tieftonigem Ohrgeräusch
  • Veränderte Druckverhältnisse im Ohr, z.B. durch Tauchgänge, Flugreisen
  • Nasennebenhöhlen-Entzündungen
  • Verspannungen und Blockaden in Hals- Und Nackenbereich, vor allem im Bereich der ersten Gelenke der Halswirbelsäule
  • Kieferfehlstellungen, Zahn- und Kieferbeschwerden wie Zähneknirschen, verkrampfte Kaumuskulatur, Zahnfüllungen (diese Ursachen sind auch eher selten)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten. Z.B. können bestimmte Schmerzmittel, wie hoch dosierte Acetylsalicylsäure (wie in Aspirin), Rheuma-Medikamente, Chemotherapeutika im Rahmen einer Krebsbehandlung oder auch harntreibende Mittel (Diuretika) und spezielle Antibiotika (z.B. Gentamicin) Tinnitus begünstigen.
  • Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes oder Nierenfunktionsstörungen
  • Störungen im Hormonhaushalt z.B. während der Menopause
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems, z.B. Multiple Sklerose, Hirntumore, Hirnhautentzündungen
  • Narkosen, v.a. über das Rückenmark (Spinalanästhesien)
  • Autoimmunreaktionen
  • Alkoholmissbrauch

Mittlerweile kennt die Medizin über 90 verschiedene Krankheiten allein des Hörsystems, die einen Tinnitus verursachen können. Meist ist auch nicht ein einzelner Faktor ausschlaggebend für die Entwicklung eines Tinnitus, sondern eine Kombination mehrerer Belastungsfaktoren.

Die verschiedenen Arten des Tinnitus

Man unterscheidet einerseits akuten, subakuten und chronischen Tinnitus, sowie andererseits subjektiven und objektiven Tinnitus.

Akuter, subakuter oder chronischer Tinnitus

Ein anfallartiges kurzzeitiges Ohrgeräusch ist ein akuter Tinnitus. Oft verschwindet der Ton innerhalb der ersten 3 Monate wieder. Jeder 4. in Deutschland kennt das.

Dauert das Ohrgeräusch länger als drei Monate an, oder tritt über einen Zeitraum von 3-6 Monaten immer wieder auf, spricht man von einem subakuten Tinnitus.

Besteht das Ohrgeräusch länger als sechs Monate, wird der Tinnitus als chronisch eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Ton wieder verschwindet ist jetzt sehr gering. Ziel einer Tinnitus-Therapie bei chronischem Verlauf ist es, mit dem Ohrgeräusch leben zu lernen. Bei 10-20% der Betroffenen wird der Tinnitus chronisch.

Subjektiver oder objektiver Tinnitus

In den meisten Fällen kann niemand außer dem Betroffenen das Ohrgeräusch hören. Es gibt keine äußere Schallquelle dafür. Die Töne entstehen im Innenohr oder innerhalb der Hörbahn und können für andere nicht hörbar gemacht werden. Deshalb spricht man vom subjektiven Tinnitus. 99 % aller Tinnitus-Fälle sind subjektiv. Der Arzt kann einen subjektiven Tinnitus deshalb auch nicht irgendwie messen oder „objektiv“ diagnostizieren. Das heißt aber keineswegs, dass man sich die Ohrgeräusche nur einbildet. Das auditorische System im Gehirn macht hier einfach einen Fehler.

In ganz seltenen Fällen (0,01%) hat der Tinnitus eine organische Ursache, dann können die Ohrgeräusche vom Ohrenarzt auch tatsächlich gemessen und oft sogar gehört werden. Das ist ein objektiver Tinnitus. Psychische Faktoren wie Stress oder Depression verursachen keinen objektiven Tinnitus. Hier liegt immer eine körperliche Erkrankung vor. Wenn man diese erfolgreich behandeln kann, dann verschwindet auch der Tinnitus. Organische Ursachen für einen Tinnitus können sein:

  • Verengung von Blutgefäßen führen zu Strömungsgeräuschen (Pulsieren)
  • Muskelzuckungen im Mittelohr oder Gaumenbereich können ein Klicken verursachen
  • Herzklappenerkrankungen oder Blutarmut
  • Gutartige Tumore im Bereich der Kopfschlagader

Die Ohrgeräusche eines objektiven Tinnitus sind in der Regel puls-synchron.

Symptomatischer oder ideopathischer Tinnitus

Etwa ein Prozent der Deutschen, also eine knappe Million Menschen, leidet unter einem sogenannten ideopathischen Tinnitus. Hier kann der Arzt keine eindeutige körperliche oder psychische Ursache für die Ohrgeräusche finden. Im Gegensatz dazu lässt sich beim symptomatischen Tinnitus eine auslösende Ursache feststellen. Die Mediziner vermuten beim ideopatischen Tinnitus einen ähnlichen Mechanismus wie beim Phantomverschmerz: eine spontan auftretende Aktivität von Hirnzellen, wenn die „richtigen“ Nerveninformationen nicht mehr vorhanden oder zu schwach sind.

Symptome eines Tinnitus

Ein Tinnitus ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Die Ohrgeräusche können auftreten als Pfeifen, Summen, Brummen, Rauschen, Kreischen, Klingeln, Hämmern, Klopfen, Zischen… Sie können vielfältig variieren, einzeln oder gemischt auf einem oder beiden Ohren auftreten, andauernd oder wiederkehrend, lauter und leiser werden…. Am häufigsten werden ein hohes Pfeifen oder ein monotones tiefes Rauschen genannt.

Stress, körperliche Überbeanspruchung oder Alkoholgenuss können den Tinnitus verstärken, allerdings auch mit Zeitverzug. In Ruhe und Stille wirkt der Tinnitus oft lauter. Deshalb schlafen Tinnitus-Patienten oft schlecht oder haben gerade im Urlaub das Gefühl, ihr Tinnitus wäre lauter.

Bei starker Schwerhörigkeit kann der Tinnitus auch eine Melodie sein. Dann wird der Tinnitus oft lauter empfunden, weil ablenkende Geräusche aus der Umgebung fehlen oder leiser geworden sind.

Ein akuter Tinnitus, vor allem im Zuge eines Hörsturzes, kann auch mit Schwindel oder Hörminderung verbunden sein.

Gerade in der akuten Phase des Tinnitus ist die Hälfte der Betroffenen empfindlicher gegenüber lauten Umgebungsgeräuschen – das nennt man Hyperakusis. Dagegen wirken leise Musik und alles Monotone wie Stimmengemurmel, Meeresrauschen oder weiter entfernt gleichmäßig strömender Autoverkehr als angenehm, weil sie den Tinnitus in den Hintergrund drängen können.

Ein chronischer Tinnitus kann allerdings Begleiterscheinungen zeigen, die die Lebensqualität deutlich einschränken:

  • Hyperakusis oder Dysakusis (hallende Geräuschwahrnehmung)
  • Schlafstörungen
  • Gereiztheit oder Angstzustände
  • Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Schwindel oder Kopfschmerzen
  • Schmerzen und Verspannung im Schulter-Nacken-Bereich
  • Konzentrationsstörung, Nervosität, Unruhe
  • Depressive Stimmung und Rückzug aus dem sozialen Umfeld
  • Zukunftsängste
  • Arbeitsunfähigkeit
  • Um diese Belastungsfaktoren zu ermitteln, kann Ihr HNO-Arzt auf standardisierte Fragebögen zurückgreifen (z. B. Tinnitus Questionaire TQ; Tinnitus Handicap Inventory THI).

Aus diesen Begleiterscheinungen kann sich das ursprüngliche Symptom „Tinnitus“ zu einer Erkrankung auswachsen, bei der psychotherapeutische Unterstützung erwiesenermaßen helfen kann.

Unsere Hörakustiker und Audiotherapeuten helfen Ihnen bei Fragen zum Thema Tinnitus gern weiter. Ob Audiotraining oder Hörtest. Kommen Sie vorbei oder vereinbaren Sie am besten gleich einen Termin.

Mehr zu Tinnitus Ursachen & Symptomen

Sehr informativ fanden wir diesen Artikel im Netz:

https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/tinnitus/was-ist-ein-tinnitus.html

Weitere Informationen gibt es auch hier:

Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
Am Lohsiepen 18
42369 Wuppertal
dtl@tinnitus-liga.de
www.tinnitus-liga.de

Tinnitus-Selbsthilfegruppen-Verzeichnis
https://tinnitus-selbsthilfe.org

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