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Hörtest? Was passiert da eigentlich?

Hörtest? Brauch ich nicht! Oder vielleicht doch? Wann ist ein Hörtest sinnvoll und was passiert da eigentlich genau? Das haben wir uns in diesem Blogartikel näher angesehen.

Wann ist es Zeit für einen Hörtest?

Klar. Unser Gehör ist wichtig für unseren Alltag. Wir hören den Wecker, ein näher kommendes Auto, unser Gegenüber im Gespräch. Unser Gehör hilft uns, Entfernungen abzuschätzen, Gefahren zu erkennen und uns in unserer Umgebung zurecht zu finden. Und es ist wichtig für unser soziales Leben, für Sport und Musik und für die Sprachentwicklung von Kindern.
Klar ist auch, mit dem Älterwerden wird wahrscheinlich auch unser Gehör nachlassen. Langsam wird der Fernseher lauter und die Vogelstimmen werden leiser, Gespräche in lauter Umgebung oder angeregte Diskussionen werden anstrengend. Man sagt immer öfter „Wie bitte?“ Spätestens jetzt ist es Zeit für einen Hörtest. Eine kleine Checkliste zur Selbsteinschätzung haben hier für Sie. Ein HNO-Arzt oder ein Hörakustiker kann Ihnen sagen, ob und vor allem auch wo genau Ihr Gehör nachgelassen hat. Und das ist der erste Schritt, um wieder besser hören zu können.

Warum sollte man einen Hörtest rechtzeitig machen?

Sicher ist: Je eher ein beginnender Hörverlust erkannt und mit einem geeigneten Hörgerät behandelt wird, desto besser. Denn Hören findet nicht nur in den Ohren statt, sondern vor allem auch im Gehirn. Es braucht die ganze Bandbreite hörbarer Frequenzen, sonst “verlernt” es das Hören. Wird ein Hörverlust nicht behandelt, werden immer mehr Nervenzellen geschädigt. Und diese hochspezialisierten Hörzellen regenerieren sich leider nicht mehr. Wer also frühzeitig gegensteuert, beugt damit auch einer weiteren Verschlechterung des Gehörs vor.
Deshalb sollte der Besuch eines Hörexperten zur jährlichen Routine werden. Das kann man auch nicht unbedingt an einem Alter festmachen. Relevanter ist da die eigene Hör-Historie. Wer z.B. in lauten Umgebungen arbeitet, sollte früher zum Hörtest gehen, und das kann der 25-Jährige DJ genauso sein wie der 35-jährige Schreiner.

Ein Hörtest beim Arzt oder Hörakustiker?

Sowohl der HNO-Arzt als auch der Hörgeräteakustiker sind geschulte Hörexperten. Um erstmal die Leistungsfähigkeit Ihres Gehörs zu überprüfen, ist es egal, ob Sie den Test beim Hörakustiker oder Ihrem HNO-Arzt machen. Sollte Ihr Hörakustiker Auffälligkeiten feststellen, wird er Ihnen sowieso den Besuch beim Arzt empfehlen. Und wenn es um Zuschüsse oder die Kostenübernahme Ihrer Krankenkasse geht, brauchen Sie eine entsprechende Verordnung des HNO-Arztes. Ihr Hörakustiker weiß das aber und wird Sie entsprechend beraten.

Der Hörtest beginnt mit einer Anamnese.

Wir starten mit einem Anamnesegespräch. Unsere Hörakustiker*Innen wollen verstehen, wie Sie Ihr Gehör in Ihrem Alltag empfinden. In welchen Situationen wollen Sie besser hören und verstehen? Z.B. bei Gesprächen in größerer Runde, im Restaurant oder beim Fernsehen? Wie lange vermuten Sie schon eine Hörminderung?  Wie sieht Ihr Berufsalltag aus? Sind Sie öfter und über längere Zeit Lärm ausgesetzt? Was sind wichtige Gewohnheiten oder geliebte Hobbies? Haben Sie vielleicht einen Tinnitus (ein Ohrgeräusch)… und vieles mehr. Das alles hilft uns, Ihren persönlichen Hörbedarf zu ermitteln.

Wie funktioniert der Hörtest?

Bei einem Hörtest, auch Audiometrie genannt, wird mit verschiedenen Untersuchungsverfahren die Funktion des Gehörs überprüft. Die eigentliche Messung, das sogenannte Audiogramm, findet in unserem Klangraum statt. Es ist ein sogenannter subjektiver Hörtest, denn Sie geben uns Ihren ganz persönlichen, „subjektiven“ Hör-Eindruck wieder.
Vor der Messung schauen wir noch mit einem Otoskop in Ihre Ohren und überprüfen Gehörgang und Trommelfell.

So ist das menschliche Ohr aufgebaut:

Die Tonaudiometrie

Dann beginnt die eigentliche Tonaudiometrie. Damit überprüfen wir die Funktionsfähigkeit Ihres Innenohrs. Sie bekommen über Kopfhörer verschiedene Töne vorgespielt in den Frequenzen 250 Hz bis 8kHz vorgespielt, die für das Sprachverstehen besonders wichtig sind. Der ganze für den Menschen hörbare Bereich  umfasst 20 Hz bis 20 kHz. Die Töne werden nacheinander und für jedes Ohr einzeln abgespielt, denn einseitiger Hörverlust ist gar nicht so selten – Sie sehen wahrscheinlich auch nicht auf beiden Augen gleich gut. Jeder Ton beginnt sehr leise und wird langsam lauter. Sobald Sie den Ton das erste Mal wahrnehmen, melden Sie uns das, indem Sie auf einen Knopf drücken. So überprüfen wir Ihr Gehör in verschiedenen Frequenzbereichen, von ganz tiefen Frequenzen (wie das Brummen eines Motors) bis zu den hohen Tönen wie beim Vogelgezwitscher. Wussten Sie, dass ganz oft zuerst die hohen Töne verloren gehen? Bei beginnendem Hörverlust hört man z.B. weniger Vögel draußen oder auch die Türklingel nicht mehr. Mit der Tonaudiometrie ermitteln wir die sogenannte Hörschwelle in Dezibel für die einzelnen Frequenzen. Die Messwerte werden in einer Kurve für das rechte und linke Ohr einzeln dargestellt. In diesem Audiogramm wird Ihre Kurve mit einer Nulllinie verglichen, die das Hörvermögen eines Menschen mit einwandfreiem Gehör simuliert. Das gesunde Ohr hört ab 0 dB(A) und erreicht seine Schmerzgrenze bei 110 dB(A). Wir ermitteln also Ihre Hörfähigkeit im Vergleich zu dieser Nulllinie und können damit gegebenenfalls den Grad Ihrer Hörminderung bestimmen.
Wir erkennen so aber auch, in welchen Frequenzen Ihr Gehör Unterstützung braucht. Das hilft bei der Auswahl der geeigneten Hörsysteme.

Die Sprachaudiometrie

Anschließend geht es um das Sprach-Verstehen. In der sogenannten Sprachaudiometrie überprüfen unsere Hörakustiker*Innen, bei welcher Lautstärke Sie Wörter bestmöglich verstehen. Sie haben dabei wieder Kopfhörer auf und hören verschiedene Testwörter, die Sie nachsprechen. Zusätzlich messen wir, wie gut Sie Wörter in lauter Umgebung oder unter vielen Nebengeräuschen verstehen. Das ist bei leichtem Hörverlust oft das das Hauptproblem.

Hörtest auswerten – Hörgerät auswählen und kostenlos testen

Im Anschluss werten wir die Anamnese und die Ergebnisse von Ton- und Sprachaudiometrie mit Ihnen aus. Dann finden wir gemeinsam das am besten geeignete Hörsystem und Sie können es – kostenlos und unverbindlichzuhause in Ihrem gewohnten Umfeld und Ihren persönlichen Hörsituationen testen. Da die Hörminderung vielleicht schon seit einigen Jahren vorliegt, muss sich Ihr Gehirn jetzt wieder an die ganze Bandbreite der Töne von tief bis hoch und an die Lautstärke gewöhnen. Deshalb bekommen Sie von uns die Hausaufgabe, auf Entdeckungstour zu gehen. Lernen Sie Ihr akustisches Umfeld neu kennen. Auch wenn Ihnen anfangs manche Töne laut und unnatürlich vorkommen, halten Sie durch. Ihr Gehirn lernt, damit umzugehen, und nur so gelingt es Ihnen, auch in komplexen Hörsituation wieder besser zu verstehen. Ein modernes Hörgerät ist ein kleines Technikwunder, das oft Großes bewirken kann. Sie werden überrascht sein, wieviel Sie wieder hören und verstehen werden. Wahrscheinlich sind noch einige Anpassungen nötig, um Ihre Hörgeräte optimal auf Ihre Bedürfnisse und Hörumgebungen einzustellen. Wir begleiten Sie dabei und sind immer für Sie da.

Damit die Krankenkasse zahlt: Rezept vom HNO-Arzt

Wichtig: Wenn wir einen Hörverlust festgestellt haben und gemeinsam ein Hörgerät für sinnvoll erachten, sollten Sie auf alle Fälle Ihren HNO-Arzt aufsuchen. Er wird noch einmal nachmessen und Ihnen eine entsprechende Verordnung (Rezept) ausstellen, das Sie bei Ihrer Krankenversicherung einreichen. Und das lohnt sich. Bei beidseitiger Versorgung zahlt die Krankenkasse rund 1.200 € dazu. Bei schwerem Hörverlust sogar noch mehr. Wir helfen Ihnen gern bei der Abwicklung mit Ihrer Krankenversicherung.

Hörtest regelmäßig wiederholen & Hörgeräte-Wartung

Unser Gehör verändert sich. Damit Sie immer und lange das bestmögliche Hören & Verstehen genießen können, nutzen Sie am besten unseren kostenlosen Service. Sie können 2x pro Jahr zu uns kommen. Wir überprüfen Ihr Gehör, Ihre Gehörgänge, Funktion und Einstellungen Ihrer Hörsysteme.
UND: Die gesetzlichen Krankenversicherungen leisten nach 6 Jahren, die privaten nach 5 Jahren wieder für neue Hörsysteme – damit Sie und Ihr Gehör immer auf dem neuesten Stand der Technik bleiben. Denn die entwickelt sich immer noch rasant weiter.

Objektive Hörtests – was ist das?

Für die oben beschriebenen Audiogramme brauchen wir Ihre Mitarbeit. Sie müssen uns Feedback geben. Das geht aber nicht immer. Bei Babys, kleinen Kindern oder Menschen mit schweren Handicaps greifen Hörakustiker oder HNO-Arzt deshalb zu objektiven Messungen. Die überprüfen objektiv messbare Parameter für die Gehörleistung, ohne Mitwirkung des Probanden. Z.B. die Schwingfähigkeit des Trommelfells mit einem Tympanometer. Diese Tympanometrie liefert unseren Pädakustiker*Innen Hinweise darauf, ob das Mittelohr intakt ist, oder ob vielleicht ein Paukenerguss oder Belüftungsstörungen vorliegen, die sich der HNO-Arzt anschauen müsste. Pädakustiker*Innen sind Hörakustiker*Innen, mit einer Zusatzausbildung für die Versorgung von Kindern.
Mit hochempfindlichen, winzigen Mikrofonen kann man Schallsignale der Haarzellen im Innenohr auffangen, sogenannten otoakustische Emissionen. Wenn diese sehr leisen Töne messbar sind, kann man von einer intakten Gehörschnecke (Cochlea) ausgehen. Diesen objektiven Hörtest wenden vor allem Kinderärzte bei Babys und kleinen Kindern an. Genau wie die sogenannte Hirnstammaudiometrie: Dabei misst der Arzt die elektrischen Aktivitäten, die akustische Signale im Gehirn auslösen. Beide Untersuchungen sind teil des Gehör-Screenings im Rahmen der Kinder-Vorsorge-Untersuchungen und können sogar gemacht werden, wenn das Baby schläft.

Fazit: Keine Angst vorm Hörtest

Ein Hörtest ist kostenlos, ungefährlich, völlig schmerzfrei und kein Grund, nervös zu sein.
Nehmen Sie sich Zeit, lassen Sie sich von unserer Hörakustiker*In alles genau erklären. Achten Sie darauf, dass die Kopfhörer gut sitzen und lassen Sie sich gern dabei helfen. Probieren Sie die Knöpfe,  mit denen Sie uns Feedback geben werden, vorab aus. Wenn Ihnen etwas zu schnell geht, oder Sie sich mal nicht ganz sicher sind, bitten Sie einfach um eine langsamere Wiederholung. Das ist KEIN Leistungstest. Sie können dabei nichts falsch machen. Im Gegenteil. Mit regelmäßigen Hörtests machen Sie alles richtig und betreiben aktive Gesundheitsvorsorge – nicht nur für das Gehör. Wussten Sie, dass Hörverlust ein Treiber für Demenz-Erkrankungen ist?

Also bleiben Sie gesund – wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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