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Neovaskularisation - wenn die Hornhaut dicht macht

Neo…Was? Was die Windschutzscheibe fürs Auto, ist die Hornhaut für das Auge. Sie schützt und soll nichts anderes einlassen als Licht, und das möglichst klar und ungetrübt. Doch manchmal machen unerwünschte Blutgefäße die Hornhaut dicht. Und dabei können Kontaktlinsen eine Rolle spielen.

Neovaskularisation - was ist das? Jetzt im Blog bei Ihrem Optiker GRONDE, Augsburg

Transparente Hornhaut ist notwendig für gute Sicht

Man hat schonmal ein geplatztes Äderchen im Auge. Bei einer Bindehautentzündung scheint das ganze Auge gerötet zu sein. Im Gegensatz dazu sprießen bei einer Neovaskularisation neue Blutgefäße in die Hornhaut des Auges ein. Das nennt man Neovaskularisation (von „neo“ = neu und „vasculum“ = kleines Gefäß).

Aber nur wenn die Hornhaut des Auges transparent und durchsichtig ist, kann sie ihren Zweck optimal erfüllen. Deshalb ist die Hornhaut von Natur aus durchsichtig und hat keine eigenen Blut- oder Lymphgefäße. Sie wird über die Tränenflüssigkeit des Auges mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Bei einer Neovaskularisation entstehen nun in der eigentlich durchsichtigen Hornhaut neue Blutgefäße. Das hat das einen ähnlichen Effekt wie ein Steinschlag auf die Windschutzscheibe. Die Scheibe hält, aber die Sprünge im Glas behindern den Durchblick. Denn natürlich sind diese Gefäße nicht klar und transparent und beeinträchtigen so die Sehfähigkeit. Und hier kann keine Brille helfen. Also warum erzählen wir als Optiker Ihnen das?

Die falschen Kontaktlinsen können Neovaskularisationen befördern

Der Sauerstoff aus der Luft ist wichtig für eine gesunde Hornhaut. Gute Kontaktlinsen lassen deshalb viel Sauerstoff an die Hornhaut. Bei Verwendung von ungeeigneten oder falsch angepassten Kontaktlinsen ist die ausreichende Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff aber nicht gewährleistet. Das begünstigt eine Neovaskularisation.
In diesem Fall müssen die Kontaktlinsen sofort abgesetzt werden, und Ihr Augenarzt wird Ihnen eine medikamentöse Behandlung empfehlen.

Weitere Ursachen einer Neovaskularisation

Oft entstehen Neovaskularisationen auch aus Hornhaut-Entzündungen, Verletzungen und Augenkrankheiten, die zu einer Unterversorgung mit Blut und Nährstoffen im Bereich der Netzhaut führen, z.B. in Folge von

  • Tumorerkrankungen
  • exsudativer „feuchter“ Makuladegeneration
  • Netzhauterkrankungen z.B. im Zuge einer Zuckerkrankheit (Diabetische Retinopathie, Proliferative Retinopathie)
  • Steigerung des Augendrucks durch krankhaftes Gefäßwachstum im Augen-Kammerwinkel mit Vernarbungen und Gefäßverschluss (Neovaskularisationsglaukom )
  • Netzhauterkrankung von Frühgeborenen (Retinopathia praematurorum)
  • erweiterte Netzhautgefäße im Bereich des gelben Fleckes = Bereich des schärfsten Sehens (Makuläre Teleangiektasien, abgekürzt MacTel)

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt

Anfangs sind diese neuen Gefäße winzig und beeinträchtigen das Sehen noch nicht. Eine beginnende Neovaskularisation ist für die Betroffenen selbst nicht wahrnehmbar. Das unerwünschte Gefäß-Wachstum geht aber weiter. Wenn sich erste Einschränkungen des Sehvermögens ergeben, ist die Neovaskularisation schon eine ganze Weile in Gang. Erst dann wird sie für den Patienten wahrnehmbar. Früherkennung wäre also wichtig, denn wenn das Gefäßnetz in der Hornhaut groß genug wird, kann es auch zur Erblindung führen.
Ein Augenarzt, Optometrist*In oder Augenoptiker*In kann das ungesunde Gefäßwachstum sehr früh z.B. mit der Spaltlampe erkennen.
Die Spaltlampe ist ein stark vergrößerndes Mikroskop mit einer sehr hellen Lampe. Damit kann man sich die Oberfläche der Hornhaut sehr genau ansehen.

Mehr zu unserem optometrischen Screening finden Sie hier. Für die Spaltlampe einfach weiter runterscrollen.

Was kann man bei einer bestehenden Neovaskularisation tun?

Eine Neovaskularisation ist auf jeden Fall Sache des Augenarztes. Tatsächlich gab es aber bislang wenig wirksame Strategien dagegen. Deshalb ist die regelmäßige Vorsorge so wichtig.
Bisher wurden Neovaskularisationen vor allem mit Kortikosteroiden behandelt. Diese Hormone aus der Nebennierenrinde verhindern das krankhafte Gefäßwachstum aber nur eingeschränkt und haben bei langer Einnahme durchaus auch Nebenwirkungen. Sie können zu einem Anstieg des Augeninnendrucks führen (grüner Star) und eine Linsentrübung (grauer Star) verursachen.
Nun kann man Hornhaut transplantieren, das ist sogar die häufigste Gewebstransplantation überhaupt. Nur leider verschlechtert die Neovaskularisation die Prognose für so einen Eingriff deutlich. Die Transplantate werden häufig abgestoßen.
Deshalb sucht die Augenheilkunde schon seit längerem nach Alternativen. Und es gibt Hoffnung. Neue Medikamente, inspiriert von der Krebsforschung, blockieren das ungehemmte Zellwachstum und damit auch die Neovaskularisation.

Weitere interessante Links zum Thema Neovaskularisation

https://www.blickcheck.de/sehhilfen/kontaktlinsen/herausforderungen/vaskularisation/
https://www.innovations-report.de/fachgebiete/biowissenschaften-chemie/bericht-52183/

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